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El Lissitzky (1890-1941)

El Lissitzky - Der Konstrukteur

Eliezer "El" Lissitzky, geboren 1890 in Potschinok (Russland), prägte als Architekt, Grafikdesigner, Typograf und Fotograf mit seinem Stil die künstlerische Auffassung seiner Zeit.

El Lissitzky, welcher seine Kindheit und Jugend in Smolensk zugebracht hatte, bewarb sich 1909 an der Kunsthochschule von Sankt Petersburg, wo er als Jude abgewiesen wurde. Daraufhin ging Lissitzky 1909 nach Deutschland, um an der Technischen Hochschule Darmstadt Architektur und Ingenieurwissenschaften zu studieren. Das Studium schloss er 1915 mit dem Diplom ab.
1917 kam es in Russland zum Sturz des Zarenregimes. Lissitzky sah in der Oktoberrevolution einen künstlerischen und sozialen Neubeginn für die Menschheit. Die folgenden Werke sind stark von seiner politischen Einstellung geprägt und stellen sich in den Dienst der neuen politischen Idee.

1919 nahm Lissitzky an der weißrussischen Kunsthochschule Witebsk seine erste Lehrtätigkeit auf. Dort kam er mit Marc Chagall als auch mit Kasimir Malewitsch in Kontakt. In dieser Zeit entstanden die Illustrationen zu dem alten hebräischen Lied "Chad Gadya" ("Eine kleine Ziege"). Bei diesen farbigen Lithographien ist der mystisch expressive Einfluss Marc Chagalls noch spürbar.

In Witebsk wird er mit Malewitschs Theorie des Suprematismus vertraut. Malewitschs Prinzipien werden zum Anstoß für seine architektonischen Experimente - die Proun - ("Projekt für die Behauptung des Neuen"), welche als Weiterführung des Suprematismus in die dritte Dimension verstanden werden. Seine Proun-Bilder sind Kompositionen aus geometrischen Figuren, die eine räumliche Wirkung auf der zweidimensionalen Fläche erzielen. Anders als Malewitsch jedoch, der eine Entrümpelung der menschlichen Existenz - nicht nur der Kunst - von allen gegenstandsbezogenen Beziehungen hin zu einer Freiheit der "reinen Empfindung" propagierte, die wiederum nur abstrakt existieren konnte, suchte Lissitzky mit Rückgriff auf Erkenntnisse der Naturwissenschaften und der Technik die Konkretheit einer Gesamtabstraktion zu erreichen. Doch die revolutionären Ansätze des Konstruktivismus, für deren Durchsetzung und Weiterentwicklung in Russland Kunstschulen errichtet wurden, sollte von den Bolschewiki bald als "formalistisch" abgewiesen und dann unterdrückt werden.
Von 1920-1921 ist Lissitzky Leiter der Architekturabteilung der Wchutemas - einer, der russischen Avantgarde verschriebenen staatlichen Moskauer Kunsthochschule.

1921 kam Lissitzky nach Berlin, wo er zwischen 1922 und 1925 zu einem der agilsten und einfallsreichsten Mentoren des europaweiten Konstruktivismus wurde. Durch die große russische Kunstausstellung, die 1922 in der Berliner Galerie van Diemen stattfand, wurde diese Kunst einer breiten westeuropäischen Öffentlichkeit bekannt. Die Schaffung elementarer Grundlagen der Formbildung machte den russischen Konstruktivismus zum Dialogpartner revolutionär gestimmter Künstler auch in Polen, Ungarn, Holland, Belgien und in Deutschland. Berlin war Anfang der 1920er Jahre kurzzeitig der Mittelpunkt des europäischen Konstruktivismus.
Lissitzky erkrankte 1923 an Tuberkulose, welche er in einem Sanatorium in Locarno behandeln ließ. Nach seinen Aufenthalt in Deutschland und der Schweiz (1921-25) kehrte er 1925 in die Sowjetunion zurück. Dort unterrichtete er bis 1930 wieder an der Moskauer Kunsthochschule Wchutemas in der Abteilung Stahl und Metalle.

El Lissizky war einer der bedeutendsten Vertreter des Konstruktivismus. Er starb am 30. Dezember 1941.

2016-10-13

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