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Hans Finsler (1891-1972)

Hans Finsler - Neues Sehen

Hans Finsler (geboren 1891 in Heilbronn - gestorben 1972 in Zürich) war einer der bedeutendsten Fotografen der 1920er-1930er Jahre und ein Autodidakt auf seinem Gebiet.

Das Handwerk der Fotografie hatte er im klassischen Sinne nie erlernt. Aber er besaß Talent, welches ihm seinen eigenen Worten nach im Blut lag. Sein Großvater mütterlicherseits war Fotograf und bereits als Kind war es Finsler möglich gewesen, sich mit den Grundprinzipien des Berufs vertraut zu machen.

Hans Finsler stammte aus einer Kaufmannsfamilie, welche naturwissenschaftlich geprägt war. Sein jüngerer Bruder Paul war Mathematikprofessor an der Universität Zürich und seine Schwester Anne scheint ebenfalls mathematisch hoch begabt gewesen zu sein.
Dem familiären Hintergrund entsprechend begann Finsler 1911 ein Architekturstudium, welches er allerdings schon bald (1915) für das Studium der Kunstgeschichte in München aufgab. Finsler "schwärmte" für die damals neuartige Kunstbetrachtung - die Formanalyse von Heinrich Wölfflin (1864-1945) -, welche seine Vorliebe für das Verstehen und Durchdringen der Dinge erkennen lässt.

Mit dem Vorhaben zu promovieren folgte Finsler 1921 seinem Professor Paul Frankl von München nach Halle. Aus Gründen des Gelderwerbs nahm er an der Burg Giebichenstein eine Anstellung als Verwalter der Bibliothek an.

Neben den kunsthistorischen Vorträgen, welche er zusätzlich an der "Burg" zu halten hatte, wurde er mehr und mehr für produkt- und werbefotografische Arbeiten eingespannt.

Seine ersten Arbeiten entstanden im Kontext der Produkt-Aufnahmen für die Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle.
Sein Kunstverständnis und die Tatsache seiner "professionellen Unschuld" führten ihn zu neuen Problemlösungen in der Darstellung, zu neuen Sichtweisen und Bildideen.

Bereits seine frühen Arbeiten an der "Burg" zeugen von einer bewussten Inszenierung des Raumes, der Formen, der Schärfe und Unschärfe sowie vom Spiel von Schatten und Licht.

Seine Fotografien spiegeln den Zeitgeist der Fortschritts- und Technikbegeisterung einer wissenschaftsgläubigen Gesellschaft wieder. In ihrer Sachlichkeit und Tendenz zur Geometrisierung zeigen die Aufnahmen Gestaltungsideen, die ebenso in den bildenden Künsten, der Architektur und im Design zum Tragen kommen.

Von seinem Schaffen an der "Burg" ausgehend, erhielt Finsler auch Aufträge vom Magistrat der Stadt Halle sowie von externen Auftraggebern, z.B.: den Deutschen Werkstätten (1928), der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) in Geislingen (1928/29), der Schokoladenfabrik Most in Halle (1927/28) und der Staatlichen Porzellanmanufaktur Berlin in Kooperation mit der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein (1929).


Auch überregional konnte Finsler innerhalb weniger Jahre große Erfolge feiern.
Für die Erstellung von Werbefotografien wurde er z.B. 1929 auf die Jungfernfahrt des Schnelldampfers "Bremen" und 1931 auf das Passagierschiff "Kungsholm" nach Göteborg eingeladen.
An der "Burg" wurde durch Finslers Engagement 1927 das Unterrichtsfach Fotografie eingeführt und 1930 erstmalig in Deutschland eine eigenständige, reguläre Klasse für Sach-Fotografie eröffnet.

1932 verließ er seine Wirkungsstätte in Halle, um eine Anstellung in der neubegründeten Fotografieklasse an der Züricher Kunstgewerbeschule anzunehmen, an welcher er die folgenden 36 Jahre bis 1958 wirkte. Während der Züricher Jahre blieb er seinem sachlichen Stil und überwiegend gegenstandsbezogenen Oeuvre weiterhin verpflichtet.

2016-12-22

Quellen und Links ...

  • Göltz, Klaus E.; Immisch, Theo; Romanus, Peter; Wendelberger, Axel (Hrsg.): Hans Finsler, Neue Wege der Photographie, Leipzig 1991.
  • Finsler, Hans: Mein Weg zur Fotografie. 30 Aufnahmen aus den zwanziger Jahren. Neuauflage Zürich 1991.
  • Museum für Gestaltung Zürich: Hans Finsler und die schweizer Fotokultur; Werk, Fotoklasse, moderne Gestaltung 1932-1960, Zürich 2006.
  • Wikipedia-Eintrag zu "Hans Finsler"
  • Wikipedia-Eintrag zum "Neuen Sehen" in der Fotografie