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Johann-Friedrich-Danneil-Museum SalzwedelReligion und Glaube [VI/77/57]

Thronende Madonna (Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel CC BY-NC-SA)

Thronende Madonna aus Salzwedel

Description ...

Die „Salzwedeler Madonna“ ist das unbestrittene Hauptwerk der Sammlung „Sakrale Kunst“, sie gehört zu den bedeutendsten frühgotischen Skulpturen in Norddeutschland.
Die um 1250 entstandene Figur stammt der Überlieferung nach aus der Salzwedeler Marienkirche und wurde schon früh in die Sammlung des Altertumsvereins übertragen. Einen Nachweis dafür gibt es allerdings nicht. Sicher ist nur, dass die Figur sich zeitweise mit anderen sakralen Ausstellungsstücken des Vereins in der Kirche befand.
Eine dendrochronologische Untersuchung der Salzwedeler Figur war bisher aufgrund zu starker Schäden an der Standfläche bzw. des zu engen Jahrringmusters nicht möglich.
Eine geografische Verortung der Herkunft der Madonna ist bislang ebenfalls nicht gelungen. Weder in der Mark Brandenburg noch in den benachbarten Regionen konnten überzeugende Vergleichsbeispiele aufgezeigt werden. Dennoch kann eine lokale Entstehung nicht ausgeschlossen werden, da die Figur die Merkmale der „älteren Madonnengeneration“ aufweist.

Es handelt sich um eine streng frontal thronende, auffällig schlanke Madonna. Das Kind sitzt auf der linken Seite ihres Schoßes und hat den Blick nach oben zum Gesicht der Mutter gerichtet, sein rechter Arm ist zu ihrer Brust erhoben. Die rechte Hand Mariens hält einen Apfel (?), der sie als neue Eva kennzeichnet. Die Füße stehen nahe beieinander, die Knie sind leicht geöffnet und auf gleicher Höhe. Die Schultern sind schmal, der Kopf relativ klein und das Gesicht sehr fein geschnitten. Es wird von relativ nah beieinander liegenden Sinnesorganen und einem schmalen, edel geformten Mund geprägt. Sie trägt eine flache, heute zackenlose Krone.
Auch das Köpfchen des Kindes mit kinnlangen Haaren ist fein ausgearbeitet.
Die Falten der Gewänder sind flach und scharf ausgearbeitet, aber sehr durchdacht arrangiert. Zwischen den Beinen verlaufen zwei vertikale Falten, seitlich der Knie sind die übereinanderliegenden Stoffe fülliger.

Die Madonna sitzt auf einem schlichten Thron, sie ist rückseitig ausgehöhlt und stand ursprünglich vermutlich vor einer Rückwand oder in einem Schrein. Von der Befestigung zeugen vier mächtige Dübellöcher (Dm ca. 2 cm). Alle Details sind fein schnitzerisch ausgeprägt. Trotz der starken, durch Wurmfraß verursachten Schäden (besonders im Gesichtsbereich) sind alle Bereiche gut ablesbar und tragen zu der eindrucksvollen, ungewohnt hoheitsvollen Wirkung der Madonna bei. Die Farbreste – nur in den Faltentiefen erhalten – sind auf relativ dicker Grundierung aufgetragen.

Hinsichtlich ihrer Komposition ähnelt die Salzwedeler Madonna auf den ersten Blick romanischen Thronmadonnen wie der Muttergottes aus Kloster Ebstorf, aus der Halberstädter Liebfrauenkirche oder dem nahen Gardelegen. Doch sind die Proportionen gänzlich unterschiedlich. Der Kopf bei den romanischen Madonnen ist im Verhältnis meist größer, was jenen eine gedrungene Statur verleiht. Auch sind Kinn, Nase und Augen in der Regel größer und runder ausgebildet, was die Wirkung verstärkt. Im Unterschied zu vielen romanischen Madonnen sitzt die Salzwedlerin nicht streng aufrecht, sondern leicht nach vorn gebeugt. Die Faltenwürfe der Gewänder unterscheiden sich dahingehend, dass bei den romanischen Figuren relativ teigige und wenig scharf gebrochene Formen und wellenförmige Schichtungen der Säume vorkommen – eine Formenwelt, die der Salzwedeler Madonna fremd ist und als gotisch zu bezeichnen ist. Daher ist die Salzwedeler Madonna kaum als „Ahnherrin eines ganzen Geschlechtes von Madonnen“ zu bezeichnen, wie Richard Hamann schrieb, sondern als deren Weiterentwicklung, was eine Datierung ins mittlere 13. Jahrhundert nahe legt. Dafür spricht auch die Frisur des Kindes, die ebenfalls ins fortgeschrittene 13. Jahrhundert weist.
Gleichwohl besteht ein größerer Abstand zu hochgotischen Madonnen wie derjenigen aus Stöckheim (Inv.-Nr. VI/26/57). Die Schlankheit der Skulptur, insbesondere die zierlichen, sich deutlich abzeichnenden Knie, erinnern noch an frühromanische Skulpturen wie die Paderborner Imadmadonna. Diese Gemengelage und damit das ungewöhnliche Erscheinungsbild dürfte dafür verantwortlich sein, dass die Datierung der Figur zwischen 1220 (Kat. Berlin 1992) und 1240/50 (Niehr) schwankt.

Material / Technique ...

Eiche mit Resten polychromer Fassung

Measurements ...

H 43,0 cm; B 20,0 cm; T 17,0 cm

Created ...

... when: [about]

Was used ...

... where: [probably]

Relation to places ...

Go

Literature ...

  • Beranek, Josef (1972): Die Salzwedeler Madonna - ein herausragendes frühgotisches Kunstwerk. In: Altmärkischer Heimatkalender 1972. S. 38-40.. Salzwedel
  • Hamann, Richard (1927): Die Salzwedeler Madonna. In: Marburger Jahrbuch 3 (1927), S. 77-144.. Marburg ( KVK)
  • Klack-Eitzen, Charlotte (1985): Die thronenden Madonnen des 13. Jahrhunderts in Westfalen. Bonn
  • Knüvener, Peter (2015): Die mittelalterlichen Kunstwerke des Johann-Friedrich-Danneil-Museums in Salzwedel. Berlin / Salzwedel, Kat. 1
  • Krogel, Heinz-Werner (1960): Die Salzwedeler Madonna. In: Der Altmarkbote. 5. Jg. H1. 1960. S. 11-13.. Salzwedel
  • Krohm, Hartmut (1993): Die Salzwedeler Madonna. In: Museumsjournal 1 (1993). S. 70-71.. Berlin ( KVK)
  • Kroner, Anita (1978): Restaurierungsbericht. Berlin 1978. (maschinenschr. Manuskript, Archiv Danneil-Museum). Berlin
  • Lembke, Katja (Hrsg.) (2015): Madonna, Frau, Mutter, Kultfigur. Ausstellung des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover. Hannover
  • Lutz, Gerhard (1992): Thronende Mutter Gottes. In: Bilderhefte der Staatlichen Museen zu Berlin- Preußischer Kulturbesitz. Berlin 1992. (= Die Goldene Tafel aus dem Mindener Dom.) S. 127-129, Nr.6.. Berlin
  • Neuber, K. L. (1932): Das Kreis-Museum Salzwedel (Johann Friedrich Danneil-Museum). In: Festschrift 100jähriges Bestehen Salzwedeler Wochenblatt. Salzwedel 1932. S. 202-207.. Salzwedel
  • Niehr, Klaus (1992): Die mitteldeutsche Skulptur der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts (Artefact 3). Weinheim, S. 345, Nr. 122
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[Last update 28.04.2016]