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Stadtmuseum Simeonstift Trier [VI.176]

Kästchen mit Malerei auf Wismuthgrund (Stadtmuseum Simeonstift Trier RR-P)

Kästchen mit Malerei auf Wismuthgrund

Description ...

Das Kästchen ist ganz aus Buche gearbeitet und wird von einem flachen Klappdeckel mit Holzpflockscharnier verschlossen. Es ist einfach aus stumpf zusammengefügten Brettchen konstruiert, wobei das Bodenbrett leicht vorkragt. Das Innere ist schlicht und ohne Eingerichte belassen. Das Kästchen ist außen allseitig mit Wismutmalerei bemalt. Bis ins späte 15. Jahrhundert kann diese Malweise, die im 16. und 17. Jahrhundert weite Verbreitung fand, zurückverfolgt werden. Ihre Beliebtheit schwand während des 18. Jahrhunderts, um dann ganz in Vergessenheit zu geraten. Bei der Technik wird pulverisierter Wismut mit einem Bindemittel auf einen Kreidegrund aufgetragen, dieser wird poliert und mit einem Lacküberzug vor der Oxidation geschützt. Darüber wird mit Temperafarben die Darstellung gemalt. Auf dem Deckel des Kästchens ist ein Paar gezeigt, das auf einer dunklen, ovalen Bodenfläche steht. Der Herr überreicht der Dame eine lange Kette mit rundem Anhänger. Diese Geste kann als ein Zeichen der Liebe, der Brautwerbung oder als eine Hochzeitsdarstellung gedeutet werden. Beide sind in der Mode des späten 16. bis frühen 17. Jahrhunderts gekleidet. Sie trägt einen roten Rock, an dessen unterem Rand drei schwarze Bänder appliziert sind, darüber fällt eine weiße Schürze, die im unteren Drittel eine Weißstickerei besitzt, welche im Zentrum den doppelköpfigen Adler des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation zeigt. Unter ihrem einreihig geknöpften, schwarzen Mieder mit kurzen Puffärmeln kommen die langen, weiten Ärmel der weißen Bluse hervor, die in Spitzenmanschetten enden. Ein goldfarbenes Band ist auf die Ärmel appliziert. Unter dem großen Mühlsteinkragen kommt eine mehrreihige Goldkette mit einem Anhänger hervor. Auf ihrem gut frisierten Kopf trägt sie einen kleinen, schwarzen Hut mit goldenem Band. Die Garderobe wird durch ein Paar Handschuhe komplettiert, die sie in ihrer Linken hält. Alle Details der Kleidung weisen sie als wohlhabende Frau aus. So ist auch der Mann in aufwendige und teure Gewänder gekleidet. Schwarze Schuhe mit Absätzen, weiße Strümpfe, breit ausgestopfte, knielange, graue Beinkleider, eine einreihig geknöpfte Weste in gleicher Farbe, darunter ein hellgraues Hemd mit Pluderärmeln und Spitzenmanschetten, ein kurzer, schwarzer Schultermantel, der von einer goldenen Kette gehalten wird, mit hellen, vermutlich silbernen Applikationen oder Stickereien am Saum und den Vorderkanten, der weiße Mühlsteinkragen und der schwarze Hut mit Krempe und goldenem Hutband sowie der Degen, den er an der linken Seite trägt, – alle diese Details weisen ihn als gut situierten Herrn adeligen Standes aus. Über dem Paar befindet sich eine Rollwerkkartusche, deren Zentrum weiß ausgemalt ist. Es ist zudem umgeben von großen stilisierten Blumen, zwischen denen sich Ranken mit Erdbeeren und kleinen roten und weißen Blüten winden und so den gesamten Grund in einem Horror vacui füllen. Diese Szene ist von einem gemalten Rahmen umgeben, der mit einem Zierband aus Lorbeerblättern und Blüten gefüllt ist. Alle vier Seiten des Kästchens sind wie der Deckel mit den gleichen stilisierten, von Ranken aus Erdbeeren sowie roten und weißen Blüten umgebenen Blumen bemalt, die auch auf dem Deckel zu finden sind, hier aber von einer mehrfach profilierten, rot-weißen Rahmung eingefasst werden. Da das Kästchen nicht signiert ist, können der Entstehungsort und sein Hersteller nicht genau bestimmt werden. Die Produktionsstätten derartiger Schatullen lagen vornehmlich in Süd- und Südwestdeutschland, aber auch im schweizerischen Raum. Vor allem Nürnberg, aber auch Augsburg, München, Ulm und Wildbad am Oberrhein waren die Zentren in Deutschland. In der Schweiz gilt Baden im Kanton Aargau als der Mittelpunkt der Herstellung dieser Kästchen. Da der Reichsadler auf der Schürze der Frau eingestickt ist, ist zu vermuten, dass das Kästchen in einem der Produktionszentren im Gebiet des Deutschen Reiches entstanden ist. Allerdings gehörte dieses Motiv zum damals gängigen Repertoire, so dass nicht mit absoluter Sicherheit behauptet werden kann, dass nur Frauen aus reichsfreien Städten ihre Kleidung damit verziert hätten. Auch die großen stilisierten Blüten, die mehr Phantasieblumen sind als realen zu ähneln, geben einen Hinweis auf den Entstehungsort. Vor allem an Kästchen des Ulmer Museums ist dieser Dekor zu finden. Die Darstellung des auf dunklem Grund stehenden Paares, wie sie hier zu finden ist, ist eng verwandt mit der einer 1595 datierten Schatulle aus Schwaben im Landesmuseum Württemberg, Stuttgart. Allerdings wird beim Vergleichsstück auf die aufwendigen Phantasieblumen, wie sie bei den Ulmer Stücken zu finden sind, zu Gunsten einfacher, kleiner Blumenranken verzichtet, und die Rahmung der bemalten Seitenfelder ist weitaus schlichter gehalten. Trotz der Ähnlichkeiten in der Kleidung ist aufgrund des Dekors eine Entstehung des Trierer Kästchens in der freien Reichsstadt Ulm denkbar. Zur Datierung muss ebenfalls die Kleidung herangezogen werden. Wie oben schon beschrieben sind in den auffallend ähnlichen Gewändern der Figuren der beiden Kästchen einige Unterschiede festzustellen. Auf dem Stuttgarter Kästchen tragen beide wesentlich kleinere Halskrausen, und die Ärmel von Bluse und Hemd sind enger geschnitten. Dort trägt der Herr einen Hut ohne Krempe, und seine Schuhe sind flach, während der Hut des Herrn der Trierer Schatulle eine Krempe besitzt und seine Schuhe die neu aufkommenden Absätze haben. Dies sind alles Details einer Kleidermode, die Ende des 16. Jahrhunderts aufkam und bis zu Anfang des 17. Jahrhunderts en vogue blieb. Das Paar unseres Kästchens ist in einer etwas späteren Kleidung der Zeit um 1600/1620 dargestellt. Solche Kästchen und Schatullen dienten meist als Geschenke, häufig für eine Dame. Auch das vorliegende Exemplar mit seiner reizvollen Malerei wird wohl als solches gedient haben. Es wird vermutlich in Ulm um 1600/1620 für einen wohlhabenden, adeligen Herrn als Liebesgabe für seine Auserwählte hergestellt worden sein.

(Der Text ist mit genauen Quellenangaben und Fußnoten im Katalog zur Ausstellung "Aufgemöbelt - Historische Möbel aus der Sammlung des Stadtmuseums Simeonstift" nachzulesen.)

Material / Technique ...

Buche

Measurements ...

H 16.5 cm, B 40.3 cm, 29.8 cm

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[Last update 10.09.2015]