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Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund

Collection: "Jugendstil - die Idee vom Gesamtkunstwerk"

Die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zeichnete sich durch einen Reformwillen in allen Lebensbereichen aus. Er erfasste wie kaum je eine Zeitströmung zuvor oder danach die Künstler in Europa und in den USA. In bewusster Abkehr von der Nachahmung historischer Stile suchten die Reformer der Jahrhundertwende nach einer neuen künstlerischen Formensprache.
Durch die großen Weltausstellungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde den Menschen die Kunst und Kultur fremder Länder näher gebracht. Ostasien, insbesondere aber das bis dahin unbekannte Japan übten eine große Faszination aus. Von bedeutendem Einfluss war auch die von dem englischen Künstler und Sozialreformer John Ruskin (1819-1900) ausgehende "Arts and Crafts" Bewegung, die dem Kunsthandwerk zu neuer Qualität verhelfen und damit die Gesellschaft verbessern wollte. Die in England als "Modern Style", in Frankreich als "Art Nouveau" bezeichnete Bewegung erhielt in Deutschland den Namen "Jugendstil" nach der in München 1896 gegründeten Zeitschrift "Jugend", die die neuen Ideen verbreitete.
Die Einheit von Kunst und Leben war erklärtes Ziel des Jugendstils. Seine Vertreter wollten das ganze Leben als Gesamtkunstwerk gestalten und Schönheit mit Nützlichkeit verbinden. In diesem Sinne waren Künstler wie Henry van de Velde (1863-1957) oder Peter Behrens (1868-1940) umfassend tätig. Ihre Vorbilder fanden die Jugendstilkünstler vor allem in den Formen der Natur. Dabei spielte der Begriff der Schönheit eine wichtige Rolle, für den die neue Ornamentik von großer Bedeutung war. Entwickelt aus dem Vorbild der Natur wurde das Ornament der bewegten Linie zum Symbol des Lebens schlechthin und sollte alle Bereiche des alltäglichen Lebens schmücken und verschönern.
Die Gründung von Künstlerkolonien wie Darmstadt oder Worpswede ist ein Charakteristikum für das Bestreben der Jugendstilkünstler, die Kunst in das Leben einzubetten. In zahlreichen neuen Werkstätten, unter ihnen die Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk in München (gegründet 1897) oder die Wiener Werkstätte (gegründet 1903), arbeiteten Künstler und Kunsthandwerker eng zusammen. Ihr generelles Anliegen war eine neue Wertschätzung der künstlerischen Arbeit und Idee bei der Gestaltung der Umwelt. Kein Detail der menschlichen Umgebung war zu gering, um nicht im Gesamtbild mitzuwirken.
Neben luxuriösen Einzelanfertigungen sollte handwerklich und ästhetisch Anspruchsvolles auch für eine breite Bevölkerungsschicht entstehen. Fortschrittliche Firmen engagierten deshalb bekannte Jugendstilkünstler als Entwerfer für in Serie hergestellte und erschwingliche Objekte. So entwarf Joseph Maria Olbrich (1867-1908) Fliesendekore für die Firma Villeroy & Boch, Richard Riemerschmid (1868-1957) preiswerte "Maschinenmöbel" für die Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst.
Durch die Entwicklung einfacher, für die Serienproduktion geeignete Formen kam es in Teilen der Reformbewegung auch zu einer Ablehnung dekorativer Elemente. Diese fand in der Schrift "Ornament und Verbrechen" (1908) des Wiener Architekten Adolf Loos ihre wohl radikalste Formulierung und wies schon auf das Ende des Jugendstils um 1910 hin. Viele anfangs kunsthandwerklich orientierte Künstler wandten sich nach der Jahrhundertwende neuen Aufgaben in der Industrie zu. In dieser Entwicklung, an deren Beginn die Gründung des Deutschen Werkbundes (1907) steht, kündigte sich bereits das Industriedesign des 20. Jahrhunderts an. G.K.


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