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Thüringer Landesmuseum Heidecksburg -- "Graphische Sammlung" [Information zur Sammlung] (museum-digital : thüringen)

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Sammlung: "Graphische Sammlung"

Handzeichnungen und Druckgraphiken wurden seit dem 16. Jahrhundert Gegenstand umfangreichen Sammelns. Mit dem Aufkommen und der raschen Verbreitung von Papier konnten graphische Arbeiten zu verhältnismäßig niedrigen Kosten hergestellt werden. Im Vergleich zu Malerei und Plastik waren graphische Arbeiten am wenigsten vom Auftraggeber abhängig. Themen und Ideen konnten verhältnismäßig schnell umgesetzt werden. Graf Albrecht der VII. von Schwarzburg (1537-1605), der 1571 die Heidecksburg zu seinem Residenzschloss ausbauen ließ, legte im späten 16. Jahrhundert auch Sammlungen an, die im 17. Jahrhundert in einer Kunst- und Wunderkammer präsentiert wurden. Albrecht der VII. hatte eine humanistische Ausbildung erhalten und in Padua studiert. Während seiner Studienzeit besuchte er Bologna, Venedig, Rom sowie Neapel und traf auf seinen Reisen mit Gelehrten und Künstlern zusammen. Neben Büchern, die er als gebildeter Fürst ankaufen ließ, sind wohl auch Graphiken auf die Heidecksburg gelangt. So könnten einige Holzschnitte der Dürerzeit sowie Kupferstiche mit Ansichten Roms aus der Sammlung Albrecht VII. stammen. Offensichtlich wurden die Blätter zusammen mit den Büchern in einem Bibliotheksraum verwahrt. In der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden kaum noch Ankäufe getätigt und der Hof konnte nur noch in einem bescheidenen Umfang Aufträge an Künstler vergeben. Mit der Regentschaft von Graf Albert Anton (1641-1710) und seiner Gemahlin Aemilie Juliane (1637-1706) setzte eine repräsentativere Hofhaltung ein. Geprägt von pietistischen Glaubens- und Lebensvorstellungen schrieb Aemilie Juliane nicht nur eine große Anzahl von Kirchenliedern, sondern erteilte auch selbst Aufträge für etliche bildkünstlerische Arbeiten, in denen sie die Heilsgeschichte malerisch und zeichnerische umsetzen ließ. So dürfte auch die graphische Sammlung in dieser Zeit um manches Werk vermehrt worden sein. Im frühen 18. Jahrhundert gelangten durch die Bildungsreisen der Schwarzburg-Rudolstädter Prinzen Bücher und graphische Arbeiten auf die Heidecksburg. So lassen sich entsprechende Privatsammlungen für Friedrich Anton von Schwarzburg-Rudolstadt (1692-1744) und seinen Sohn Johann Friedrich (1721-1767) nachweisen. Obwohl die Quellenlage sehr dürftig ist, kann davon ausgegangen werden, dass beim Schlossbrand des Jahres 1735 neben vielen Gemälden auch zahlreiche Zeichnungen und Druckgraphiken vernichtet worden sind. Aus heutiger Sicht ist deshalb die ursprüngliche Größe der Sammlung nur schwer bestimmbar. Erst mit der Einrichtung der Hofbibliothek im Westflügel der Heidecksburg durch den seit 1767 regierenden Fürsten Ludwig Günther II. (1708-1790) lässt sich der Gesamtumfang der graphischen Sammlung ermessen. In seiner Beschreibung "sehenswürdiger Bibliotheken Teutschland ..." aus dem Jahre 1786 geht F.K.G. Hirsching auf diese "Kupferstichsammlung" ein. Der Gelehrte hebt hervor, wie Fürst Ludwig Günther II. von Schwarzburg-Rudolstadt die Bibliothek " ... mit Seiner aus etlich tausend Stücken bestehenden geschmackvollen Kupferstichsammlung, worunter sich auch die Hogarthischen Kupfer befinden" bereichert hat. Neben Mappenwerken, die Ludwig Günther II. aus Italien mitbrachte, ließ der Fürst auch Arbeiten renommierter Künstler ankaufen.Als Fürst Ludwig Friedrich II. (1767-1807) das Obergeschoss des Westflügels anderweitig nutzte, ist im Jahre 1799 die graphische Sammlung wohl in die privat genutzten Gemächer des Südflügels verlagert worden. Dennoch hat der kunstliebende Regent alles dafür getan, die Sammlung zu vergrößern. Auf seinen Reisen erwarb er nicht nur Zeichnungen und Druckgraphiken, sondern schuf selbst - wie auch seine Gemahlin Caroline Louise - beachtliche graphische Arbeiten. Kurz nach seinem Regierungsantritt verwirklichte er ehrgeizige künstlerische Projekte und ließ seit dem Oktober 1793 diejenigen Gymnasiasten vom Maler Ernst Kämmerer im Zeichnen unterweisen, die später einmal selbst "Künste und Professionen" erlernen wollten. Später wurde für den Unterricht der Hofmaler Franz Kotta hinzugezogen. Seit dieser Zeit ist der Bestand an Graphiken und Zeichnungen von allen folgenden Regenten - den unterschiedlichen Intentionen entsprechend - erweitert worden.Mit der Einrichtung der "Fürst-Günther-Stiftung" im Jahre 1918 ist die Sammlung in den 1920er Jahren durch den ambitionierten ehemaligen Direktor des Landeslehrerseminars Dr. Berthold Rein bearbeitet worden. Er verzeichnete und katalogisierte die aus fürstlichen Besitz stammenden Blätter und schuf damit die Grundlage für eine wissenschaftliche Bearbeitung. Darüber hinaus gelangte 1933 die umfangreiche Privatsammlung von Arnold Sigismund auf die Heidecksburg. Sie umfasst u.a. zahlreiche Holzschnitte des späten 15. und 16. Jahrhunderts, darunter wichtige Arbeiten Albrecht Dürers. In den Jahren der Weimarer Republik und denen der nationalsozialistischen Herrschaft erfolgte keine kontinuierliche Sammeltätigkeit. Erst mit der Neuorganisation des Schlossmuseums im Jahre 1948 ist auch zeitgenössische Kunst angekauft worden. Zu nennen sind Blätter von Otto Herbig und Josef Hegenbarth, einem der bedeutendsten Zeichner des 20. Jahrhunderts. Neben viel beachteten Sonderausstellungen konnte sich das Museum mit der "West-Ost-Schau Deutscher Grafik", die 1956 und 1957 in Zusammenarbeit mit dem Greifenverlag Rudolstadt präsentiert wurde, einen Namen machen. Der Ankaufspolitik der letzten Jahrzehnte ist es zu danken, dass u.a. Arbeiten von Gerhard Altenbourg, Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer, Carlfriedrich Claus und Horst Sakulowski erworben wurden. Heute zählen mehrere tausend Blätter zum Graphikbestand des Museums. [Lutz Unbehaun]