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museum-digital wird mehrsprachig

In fast allen Versionen von museum-digital ist es jetzt möglich eine von mehreren Sprachvarianten auszuwählen. Die Sprachumstellungen betreffen die Erläuterungs- und Erklärungstexte - die inhaltlichen Angaben, Beschreibungen von Objekten zum Beispiel, werden nicht übersetzt. Die jetzt vorhanden Übersetzungen in  Englisch, Italienisch, Ungarisch, Polnisch und Bahasa Indonesia haben Freunde von museum-digital, zumeist MuttersprachlerInnen erstellt. Danke dafür.

Der Sprachwahlschalter ist immer in der oberen Navigationsleiste rechts zu finden. Weitere Übersetzungen sind geplant.

EDiM - ein Fund zum Teilen

Reisen bildet, so auch hier: Der Besuch der Herbsttagung der Fachgruppe Dokumentation des Dt. Museumsbundes hat wieder viele Kontakte gebracht, aber auch Flyermaterial in unseren hungrigen Rachen gespült.
Das aus unserer Sicht interessanteste Heftchen ist die "Handreichung - Rechliche Rahmenbedingungen für Digitalisierungsprojekte von Gedächtnisinstitutionen" von John H. Weitzmann  und Paul Klimpel.

http://irights.info/wp-content/uploads/2014/10/Handreichung_Digitalisierung_Recht_Gedaechtnisinstitutionen.pdf

44.444 Objekte bei museum-digital

Mal wieder eine "runde" Zahl zu vermelden ... Gestern wurde das 44.444 ste Objekt bei museum-digital veröffentlicht. Es handelt sich um ein "Bruchstück einer Heiligenfigur" aus der Sammlung "Kloster Seehausen" des Museums im Dominikanerkloster Prenzlau. In den letzten Tagen sind etliche kleinere und größere Sammlungen hinzugekommen, beispielsweise eine Fotodokumentation zur Geschichte des Klosters in Heiligengrabe, eine Sammlung von Plakaten zur Reihe "Hausmusik bei Kleist" des Kleist-Museums in Frankfurt/Oder, die Sammlung von Holzbildtafeln des "Vorschuss-Vereins" des Museums Eberswalde sowie etliche Objekte aus dem Blüchermuseum in Kaub (die erst nach und nach veröffentlicht werden).

EDiM - Bildrechte: eine gute Nachricht!

Für ein Museum wie das Kunstmuseum Moritzburg in Halle (Saale) mit Werken überwiegend aus dem 19. und 20. Jahrhundert ist bei der Onlinepublikation das gegenwärtig geltende Urheberrecht eine spürbare Hürde.

Hier ein kurzer Überblick über die Bedingungen in diesem Bereich, selbstverständlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder juristisches Niveau: Damit ein Museum Werke kostenfrei online publizieren kann, muss der Künstler 70 Jahre verstorben sein. Erst dann werden die Werke nach dem deutschen Urheberrechtsgesetz "gemeinfrei", d. h. die Urheberrechte, die der Künstler an seinem Werk hatte, sind abgelaufen. Zuvor hat er ein Anrecht auf eine finanzielle Kompensation, es sei denn, dass er oder seine Erben ausdrücklich und am besten schriftlich auf sie verzichten.

Neben dem Werk-Urheberrecht sind darüber hinaus die Urheberrechte des Fotografen bei der Online-Publikation zu berücksichtigen: In seinem Arbeitsvertrag oder auch Werkvertrag müssen die Nutzungsrechte des Museums an den Fotos so klar benannt sein, dass das Museum diese Abbildungen ohne weitere Kosten publizieren darf.

Das Kunstmuseum Moritzburg möchte natürlich eine profilbestimmende Auswahl seiner Werke online zeigen, d. h. vor allem Werke der Klassischen Moderne. Nur rund ein Drittel der Künstler (geschätzt) aus dieser Zeit sind bereits 70 Jahre verstorben!

Auch in einem anderen Projekt der Moritzburg, bei dem moderne Kunstmedaillen aus der Zeit zwischen 1870 bis zur Gegenwart erfasst und online publiziert werden, war der Wunsch nach einer Publikationserlaubnis durch die Künstler, die zum Teil von der VG Bild-Kunst (Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst) vertreten werden, groß. Viele dieser Künstler leben noch.

Um zumindest ein Stück weit aus diesem Dilemma herauszukommen, war schon lange angedacht, einige derjenigen Künstler, die noch leben und deren Adresse wir kennen, anzuschreiben und höflich und nett um Erlaubnis zu einer kostenfreien Publikation zu bitten. Vorbild für diese Vorgehensweise war das Berliner Münzkabinett, dass schon öfter diesen Weg erfolgreich gegangen ist, und tatsächlich in seiner Online-Datenbank IKMK (Interaktiver Katalog des Münzkabinetts der Berliner Museen) viele Werke noch lebender bzw. noch nicht 70 Jahre verstorbener Künstler zeigt.

Das dabei verwendete Abfrage-Formular hat das Kunstmuseum Moritzburg für seine eigenen Zwecke angepasst. Zunächst haben wir die Künstler, die nicht von der VG Bild-Kunst vertreten werden, angeschrieben. Erfragt wurde zur Sicherheit, ob der Künstler von der VG Bild-Kunst vertreten wird oder nicht. Immerhin kann es sein, dass der Künstler erst kürzlich Mitglied geworden ist oder dass - dies ist tatsächlich gleich mehrfach vorgekommen - die online stehende Datenbank der Künstler, die von der VG Bild-Kunst vertreten werden (siehe Homepage der VG Bild-Kunst), nicht ganz korrekt bzw. aktuell ist. Anschließend haben wir abgefragt, ob die Moritzburg kostenfrei die Werke der Künstler sowohl in gedruckten Publikationen als auch im Internet publizieren darf. Nach drei Wochen haben ungefähr die Hälfte der rund 70 Künstler geantwortet und alle positiv.

Wir hatten zufällig auch einige Künstler, die von der VG Bild-Kunst vertreten werden, in unserer Adressliste: Mit ihrer Unterschrift hatten wir plötzlich die Erlaubnis von Künstlern, die von der VG Bild-Kunst vertreten werden, ihre Werke online zu publizieren. Was war passiert? Wir hatten zunächst keine Antwort darauf.
Wir dachten, dass dies gerade nicht ginge: Denn die Aufgabe der VG Bild-Kunst ist, die Urheberrechte der bei ihnen gemeldeten Künstler zu vertreten bzw. die Tatiemen aus den Nutzungsrechte an ihren Werken einzuziehen und an ihre Mitglieder auszuschütten. Die Zustimmung der Künstler schien dem zu widersprechen.
Ermutigt durch einen hilfreichen Kontakt aus dem Ulmer Museum riefen wir direkt bei der VG Bild-Kunst an und erhielten die ermutigende und wirklich gute Nachricht, dass auch diejenigen Künstler, die ihre Online-Publikationsrechte über die VG Bild-Kunst vertreten lassen, mit einer recht formlosen Email oder auch einem etwas aufwändigeren Formular wie dem unsrigen auf die Gebühren für die Online-Publikation ihrer Werken verzichten können. Nur auf die Tatiemen aus der Publikation in gedruckten Werken dürfen sie nicht verzichten. Aus diesem Grund ist in unserem Formular dieser Passus gelb markiert: Sollten Sie Lust haben, unser Formular für ähnliche Abfragen in Ihrem Haus zu verwenden, müssten Sie das Formular für Künstler, die von der VG Bild-Kunst vertreten werden, an dieser Stelle ändern. Natürlich muss die VG Bild-Kunst von Ihrer Absprache mit den Künstlern erfahren: Leiten Sie die Mails einfach an die VG  Bild-Kunst weiter oder senden Sie ihr die Kopien Ihrer Formulare.

Ein erstmal nicht lösbares "Problem" ist, die Erben verstorbener Künstler zu ermitteln - ob nun von der VG Bild-Kunst vertreten oder nicht. Dafür müsste ein erheblicher Rechercheaufwand geleistet werden. Diesen Weg werden wir - zumindest im Augenblick - nicht gehen.  

Ingesamt scheint mir, dass die Abfragemöglichkeit nach den Online-Publikationsrechten bei den noch lebenden Künstlern eine gute Lösung für Museen mit viel moderner Kunst ist und eine sehr gute Nachricht zum Wochenende! Ich wünsche viel Erfolg!

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EDiM - ein kleiner Schritt vorwärts bei den Bildrechten

Im Rahmen der Frühjahrstagung des Deutschen Museumsbunds Anfang Mai 2014 haben die VG Bild-Kunst und der Deutsche Museumsbund einen neuen Rahmenvertrag unterzeichnet, der Verbesserungen für diejenigen Museen bringen soll, die mit der VG Bild-Kunst Verträge abschließen müssen, um Abbildungen von Werken publizieren zu können, deren Schöpfer von der VG Bild-Kunst vertreten werden.

Details dazu unter:

http://www.bildkunst.de/vg-bild-kunst/news/detailansicht/article/neue-vertragskonditionen-fuer-museen.html

http://www.museumsbund.de/de/das_museum/themen/bildrechte/

Rahmenvertrag:

http://www.bildkunst.de/fileadmin/User_upload/bilder/newsletter_2014/Museumsvertrag_Dt_Museumsbund.pdf

Noch nicht abgedeckt werden konnte der für das Kunstmuseum Moritzburg und das Projekt "moderne_digital" wichtige Bereich der Online-Datenbanken. Die VG Bild-Kunst und der Deutsche Museumsbund waren sich über den diesbezüglichen Handlungsbedarf einig und vereinbarten weitere Gespräche. Man darf gespannt sein.



Glasplattendigitalisierung IV

Moosgummi-Abstandshalter auf Scanner
mittig: ausgeschnittenes Sichtfenster
oberhalb: schmaler Kalibrierungsstreifen

Detail: Abstandshalterung

Ab Anfang März 2014 haben wir mit der Digitalisierung von Glasplattennegativen begonnen. Wie schon in den Blogbeiträgen I bis III erwähnt, nutzen wir den Flachbettscanner Epson Perfection V750 pro (ca. 750 € Neupreis) in Verbindung mit der Software LSI Silverfast Studio 8 (ca. 300€ Neupreis) und Adobe Photoshop Elements 10 (nicht mehr erhältlich, Neupreis für Version 12 ca. 80€).

Wir haben uns entschlossen, die Glasplatten nicht direkt auf das Scannerglas aufzulegen. Ansonsten würde Glas auf Glas liegen und so bestünde die Gefahr, dass die Glasplatte des Scanners oder die Glasnegative selbst zerkratzen. Zwei direkt und plan aufeinanderliegende Flächen sind zudem schwierig voneinander zu trennen – in diesem Fall also: das Glasnegativ nach dem Scanvorgang wieder von dem Scannerglas aufzunehmen. Aus diesem Grund haben wir einen Abstandshalter gebastelt.
Während bei Foto Marburg Halterungen aus Hartplastik verwendet werden, entschlossen wir uns, unsere Halterungen aus einfachem Moosgummi zu basteln. Für die Materialwahl sprach der geringe finanzielle Aufwand, aber auch der Umstand, dass Glasplatten unterschiedlichster Größen zur Digitalisierung anstehen und dabei nahezu für jede Größe eine eigene Halterung entworfen werden muss. Das Moosgummi ist in verschiedenen Materialstärken kostengünstig verfügbar und lässt sich mit einem scharfen Cuttermesser relativ einfach und schnell zurechtschneiden.
Jede Abstandshalterung besteht zunächst aus einer Maske, die nahezu die gesamte Scanfläche abdeckt. In diese Maske wird ein Sichtfenster in Größe der zu scannenden Vorlage geschnitten. Außerdem muss die Maske oberhalb einen schmalen freien Streifen aussparen. Wird dieser Streifen nicht freigelassen, wird folgend schlichtweg eine durchgehend schwarze Fläche gescannt.
Beim Zuschneiden des Moosgummi-Abstandshalters müssen alle Kanten möglichst gerade und rechtwinklig ausgeschnitten werden (Für nähere Erläuterungen zur Ausrichtung der Scans vgl. Blogbeitrag „EDiM - Funktionsweise und Workflow an der Reproanlage“ insbesondere Abschnitt „Warum ist uns die Rechtwinkligkeit so wichtig?“).
Beim bequemen und geraden Auflegen der Glasnegative helfen zwei erhöhte Kanten. Diese Kanten haben wir ebenfalls aus Moosgummi ausgeschnitten und mit einem lösemittelfreien Bastelkleber auf Wasserbasis angebracht.

Die Wahl der Moosgummi-Materialstärke von 2 mm liegt in der Spezifik des Scanners begründet. Andere Scanner mögen eventuell eine andere Materialstärke erfordern. Der hier zum Einsatz kommende Scanner Epson Perfection V750 pro verfügt während des Durchlichtbetriebs im Wesentlichen nur über zwei verschiedene Scanmodi. In der Software Silverfast lauten die Bezeichnungen dieser Modi „Durchlicht“ und „Durchlicht groß“. Wird der Modus „Durchlicht groß“ gewählt, kann der Scanner Durchlichtvorlagen auf der nahezu A4-großen Scanfläche komplett erfassen. Der Fokuspunkt liegt innerhalb dieses Modus direkt über dem Glas. Vorlagen müssten also – um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen – direkt auf das Scannerglas aufgelegt werden, was in unserem speziellen (Glasnegativ-)Fall bereits nicht möglich ist. Ein weiterer Nachteil dieses Scanmodus scheint darin zu bestehen, dass die seitlichen Bereiche der Scanfläche nicht direkt über einen Sensor, sondern nur über Spiegel erfasst werden. In den Randbereichen wird also weniger präzise abgebildet.
Wird der Modus „Durchlicht“ gewählt, verfügt der Scanner zunächst über einen deutlich verkleinerten Scanbereich. Es wird nur noch ein schmaler Streifen mittig der Gesamtfläche abgebildet. Hierbei handelt es sich um den Bereich, der tatsächlich direkt von dem Sensor – ohne Spiegel – erfasst werden kann. Außerdem liegt der Fokuspunkt nicht direkt über dem Scannerglas, sondern leicht erhöht, da dieser Modus speziell zur Verwendung mit den mitgelieferten Epson-Filmhaltern (nur für Kleinbild oder Mittelformat) gedacht ist, welche die Vorlage ebenfalls leicht erhöht positionieren.
In der Dokumentation des Scanners sind die hier beschriebenen Eigenarten des Geräts leider nicht sehr ausführlich behandelt. Die angeführten Werte resultieren aus einem Telefonat mit der Firma Laser Soft Imaging, können aber sinngemäß auch in deren Web-Forum nachgelesen werden: http://forum.silverfast.com/v750-negtiv-dunkles-vorschubild-t6578.html

Für die gestellten Anforderungen sind die Moosgummi-Abstandshalter durchaus geeignet. Dennoch gibt es einige Nachteile: Selbst mit einem sehr scharfen Cuttermesser und schnellen, kräftigen Schnitten lässt sich keine absolute Präzision erreichen. Durch die Flexibilität des Materials gibt dieses stellenweise nach oder verzieht sich beim Beschneiden. Das Ergebnis sind Schnittkanten, die leicht ausfransen können oder keine hundertprozentige Geradlinigkeit erreichen. Zudem kann bei Dauernutzung eines Moosgummi-Abstandshalters dieser am Ende des Arbeitstages – durch die Wärmeentwicklung des Scanners – leicht verzogen sein. Das ‚Offenlassen’ der Abdeckung zwischen den Scanvorgängen kann dem jedoch ausreichend vorbeugen. Aufgrund der insgesamt einfachen und unkomplizierten Handhabung ist das Moosgummi trotz der genannten Nachteile generell zu empfehlen.


Kalibrierung des Scanners

Vor dem Scannen sollte der Scanner kalibriert werden. Dieses kann über ein Durchlicht IT-8-Target (ca. 60€) erfolgen. Zum Kalibrieren wird das Target einfach auf der Scannerfläche positioniert und in der Silverfast Software der Button mit der Beschriftung „IT-8“ gewählt, worauf die automatische Kalibrierung erfolgt. Nach Abschluss des Vorgangs muss lediglich der Dialog geschlossen und der Speicherort für das Profil bestätigt werden.
Die Kalibrierungs-Automatik der Software funktioniert erstaunlich gut und erkennt sogar schief aufliegende Targets präzise.

Wir scannen unsere Glasplatten als TIFF mit 1800 dpi und 48 Bit Farbtiefe. Dies führt zu einer durchschnittlichen Dateigröße von ungefähr 500Mb pro Scan.

Negativ mit farbiger Retusche (Finsler)

Warum werden Schwarz-Weiß Negative in Farbe gescannt?

Was bei der dpi-Einstellung noch nachvollziehbar scheint, nämlich möglichst hohe Auflösung für möglichst hohe Detailwiedergabe, sorgt bei der Farbtiefe eventuell für Verwirrung. Warum sollten Schwarz-Weiß Negative, welche bloß Schwarz-Weiß Abzüge vorbringen sollen, plötzlich farbig gescannt werden?

Die Digitalisierung der Glasplattennegative stellt für uns zunächst eine Bestandssicherung und gleichzeitige Dokumentation des aktuellen Zustands dar. Auch wenn die Negative stets für die Herstellung von Schwarz-Weiß Abzügen gedacht waren, existieren die Glasplatten ‚in der Wirklichkeit’ in Farbe. Lagerungsspuren, generelle Materialalterung, aber auch Feuchtigkeitsschäden, Bakterien, beginnende Zersetzung oder andere Spuren haben teilweise zu beachtlichen Verfärbungen geführt. Außerdem soll das Digitalisat möglichst einem digitalen Faksimile entsprechen. Häufig wurden und werden auf den Negativen Retuschen vorgenommen. Diese wurden meist durch das Aufbringen von sogenannten Abschwächern oder Verstärkern durchgeführt. Gerade letztere hinterlassen eine rötliche Verfärbung auf den behandelten Flächen. Ein Schwarz-weiß Scan würde diese durch den Fotografen vorgenommene Bearbeitung nicht mehr erkennbar machen. Der farbige Scan gewährleistet hingegen, dass das Digitalisat sämtliche Informationen – auch die farbigen – bereithält, die auch in der Vorlage selbst enthalten sind. Die 48 Bit stellen für uns einen Kompromiss aus möglichst hoher Farbtiefe und Dateigröße dar. Zwar hält die Software die Möglichkeit bereit, Dateien mit 68 Bit Farbtiefe zu erzeugen, jedoch wird die Datei durch diese Einstellung auch unangemessen groß.


Bildoptimierungen

Auch wenn die Software einige Möglichkeiten bereithält, das Scanergebnis zu optimieren, werden im Arbeitsablauf sämtliche dieser Verbesserungen ausgeschaltet. Da es uns um ein digitales Faksimile der Vorlage geht, wären Funktionen wie „Automatische Filmkornglättung“ oder „Automatische Kontrastoptimierung“ dem anvisierten Ziel eher abträglich, da das Ergebnis keine exakte Kopie mehr darstellen würde. Insgesamt bleiben also sämtliche Optimierungsfunktionen deaktiviert. Auch am Tonwertumfang nehmen wir keine Veränderungen oder Anpassungen vor.

Digitalisat eines Abzugs von Finsler

Digitalisiertes Negativ zum obigen Abzug, nur invertiert

Digitalisiertes Negativ zum obigen Abzug, invertiert und leicht nachbearbeitet

Arbeitsablauf: Scannen und Ablegen

Bevor wir mit dem Scannen beginnen, reinigen wir das Glasnegativ. Wir säubern allerdings nur auf der Glasseite mit einem feinen Marderhaarpinsel. Mit diesem können Staub und andere Verschmutzungen gut entfernt werden. Für gröbere Verschmutzungen eignet sich ein feines Mikrofasertuch, durch welches auch leichter (!) Druck ausgeübt werden kann. Die Schichtseite lassen wir gänzlich unbehandelt, da zu schnell irreversible Schäden entstehen könnten und wir keine ausgebildeten Foto-Restauratoren sind.
Nach Auflegen des Glasnegativs auf die Moosgummi-Abstandshalterung starten wir den Vorschauscan. In dem sich öffnenden Fenster wird dann mittels beweglicher Begrenzungsrahmen der tatsächlich zu scannende Bildausschnitt festgelegt. Diesen wählen wir so, dass das Motiv nicht durch die Begrenzungsrahmen angeschnitten wird, dass aber auch nicht zu große Bereiche der Abstandshalterung mitgescannt werden. Anschließend kann der eigentliche Scanvorgang ausgelöst werden.
Die dabei erzeugte Datei legen wir danach unter der entsprechenden Inventarnummer mit dem Namenszusatz „_master“ ab. Diese Master-Datei wird nicht weiter bearbeitet oder beschnitten. Von ihr wird allerdings eine Kopie erzeugt und diese mit dem Programm Adobe Photoshop Elements 10 bearbeitet. Innerhalb des Programms beschneiden wir den Bildausschnitt dann weiter, so dass nur noch das Motiv – ohne Abstandshalterung – zu erkennen ist. Anschließend wird das Bild in Graustufen konvertiert, horizontal gespiegelt und die Farben umgekehrt – also ein digitaler Abzug erzeugt. Die durch die Bearbeitung entstehende Datei wird dann unter der jeweiligen Inventarnummer mit dem Namenszusatz „_abzug“ in dem gleichen Ordner wie die Master-Datei als TIFF abgespeichert. Natürlich wird der auf diese Art entstandene Abzug nicht dem entsprechen, was dem damaligen Urheber vorschwebte. Allerdings stellt dieser digitale Abzug auch nur einen zusätzlichen ‚Service’ für potentielle Betrachter dar und soll nur eine grobe Vorstellung des letztendlichen Motivs liefern, da es für viele Betrachter schwierig ist, Negative zu interpretieren. Der Hauptaufgabe, dem Digitalisieren und Faksimilieren des Glasnegativs, ist bereits durch die Master-Datei nachgekommen.

Dadurch, dass dem Fotografen beim Belichten und Vergrößern mehrere Möglichkeiten offenstehen, weiteren Einfluss auf das Motiv und den letztendlichen Abzug zu nehmen, stellt unsere Methode, das bloße Invertieren des Negativs, nicht unbedingt das Ergebnis dar, welches sich auch der Fotograf vorstellte. Schließlich stellt auch das Papier, auf welches das Foto ausbelichtet wurde, einen weiteren Einflussfaktor dar. Allerdings kann das Motiv mittels digitaler Bildbearbeitung weiter angeglichen werden. Einerseits bedeutet eine solche Nachbearbeitung jedoch einen erhöhten Zeitaufwand und andererseits stellt sich diese dort als besonders schwierig dar, wo kein Künstlerabzug, sondern nur das Negativ vorhanden ist. Hier gibt es keine Möglichkeiten, den digitalen Abzug mit dem Künstlerabzug abzugleichen. Stattdessen bedeutet hier jedes Erzeugen eines Abzugs gleichzeitig auch Interpretation des Motivs. Der Bildbearbeiter muss sich stets fragen, wie hell oder dunkel der Abzug ausfallen oder welche Tonwerte das Motiv aufweisen sollte. Links ist erkennbar, wie weit fotografischer Abzug und der – mit unserer Methode erstellte – digitale Abzug auseinanderliegen können und wie der digitale Abzug dem fotografischen Abzug mit etwas Zeitaufwand angeglichen werden kann.

Bei den beschriebenen Einstellungen kommen wir auf eine Scanzeit, die pro Scanvorgang bei circa acht Minuten liegt. Hinzu kommen noch der Vorschau-Scan, das ordnungsgemäße Ablegen der Datei, das Erstellen des Abzugs sowie ein eventuelles Umpacken des Glasnegativs und die Beschriftung der Neuverpackung, so dass bis zu 15 Minuten für den gesamten Vorgang veranschlagt werden können (ohne digitale Nachbearbeitung).

Mit der aus den Einstellungen resultierenden Dateigröße um 500 MB bewegen sich die Bilddateien in dem Bereich, der auch durch die Reproanlage erzeugt wird. Zur Moosgummi-Abstandshalterung lässt sich sagen, dass die Maske an jeder Seite circa 2mm des aufgelegten Negativs verdeckt. Bei vielen Glasplatten ist dies unproblematisch, jedoch gibt es auch Glasplatten, bei denen das Motiv bis an den Rand reicht.
Ein letzter Kritikpunkt betrifft die Software Adobe Photoshop Elements 10. Leider kann das Bildbearbeitungsprogramm nicht mit höheren Farbtiefen umgehen und unterstützt zudem Farbmanagement nicht im vollen Umfang. Für eine tiefgreifende Bearbeitung der Digitalisate ist es daher nicht geeignet. Die Dateien müssten zuvor in eine geringere Farbtiefe umgewandelt werden, wodurch Informationen verloren gingen. Scheinbar muss an dieser Stelle doch auf die aktuelle CS Variante des Bildbearbeitungsprogramms zurückgegriffen werden. Dieses unterstützt sämtliche angesprochenen Funktionen, ist jedoch auch mit erheblich höheren Kosten verbunden.

Pressemitteilung aus dem Kultusministerium Sachsen-Anhalts

Zum fünfjährigen Bestehen von museum-digital hat das Kultusministerium Sachsen-Anhalt eine gemeinsame Pressemitteilung mit dem Museumsverband des Landes veröffentlicht. Von etlichen Print- und Online-Medien wurde diese Mitteilung in leicht variierenden Formen veröffentlicht. Den Text der Mitteilung finden sie hier. Die Veröffentlichung wird wahrgenommen. Das zeigt sich deutlich an der hohen Zahl der Besucher von www.museum-digital.de  in den letzten Stunden.

1000 Objekte aus Wolmirstedt

Das Museum Wolmirstedt hat jetzt das 1.000ste Objekt bei museum-digital freigeschaltet und so der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Da ist eine Gratulation unbedingt angebracht - denn das Museum macht es sich nicht leicht und prüft, recherchiert, aktualisiert, überarbeitet die Informationen zu jedem einzelnen Objekt vor der Freischaltung mit der gebotenen Gründlichkeit und Akribie. Herzlichen Glückwunsch also an das Museum.

EDiM - Glasplattendigitalisierung Antistaub-Tipp

Wer Glasplatten in großer Zahl digitalisieren möchte, kann ein Hilfsmittel gut gebrauchen: Ein Gerät, dass Staub und Fussel von den Oberflächen nimmt. Je kleiner die Vorlage (z. B. Kleinbilddia) desto mehr sieht man auch die mitgescannten Fussel. Und die automatische Fusselentfernung der Software sollte man nicht verwenden, wenn man auf Abbildungsqualität Wert legt.

 Ein praktisches Hilfsmittel bei der Glasplattendigitalisiererei ist ein Gerät von der Firma Kinetronics. Siehe http://www.kinetronics.de/seiten/d_frame.html. Ein Praxistest und Empfehlung von Foto Marburg siehe http://www.fotomarburg.de/bestaende/digitalisierung.

EDiM - ein Bergfest





Wir möchten Sie an unserer Feier teilhaben lassen, denn ein wichtiges Etappenziel wurde erreicht: Das Künstlermodul, über dessen chaotischen Zustand nach der Datenmigration ein bald erscheinender Blog Auskunft geben wird, ist jetzt nach längeren Anstrengungen bereinigt! Ein dreimaliges "Hoch" auf alle, die daran mitgewirkt haben!


EDiM - Glasplattendigitalisierung III

Am letzten Dienstag waren wir bei Foto Marburg zu Besuch, um uns ein Glasplattendigitalisierungsprojekt aus der Nähe anzusehen ("Fotografische Negative. Infrastruktur zur Erschließung und Digitalisierung historischer Fotografien in kunsthistorischen Bildarchiven", Laufzeit seit 2012, siehe http://gepris.dfg.de/gepris/projekt/203631055).
Wir wollten unsere vorhandenen Kenntnisse überprüfen und Details erfragen. Vollgestopft mit Wissen und Tipps, also satt und glücklich sind wir wiedergekommen. Die Fotografen Thomas Scheidt und Horst Fenchel haben uns viel mehr ihrer Zeit gewidmet als wir erwartet haben. Jetzt haben wir das Gefühl, dass wir auch als Laien die Glasplattendigitalisierung in Angriff nehmen können, ohne durch Unwissenheit oder Ungeschicklichkeit an den kostbaren Originalen etwas kaputt zu machen. Wir müssen zwar noch eine Menge vorbereiten und auch lernen, aber das Prinzip haben wir verstanden.

Zunächst durften wir das Depot besichtigen: Rund 2 Mio. Fotos stehen dort Reihe an Reihe, 1,8 km Regalmeter, gleichmäßig klimatisiert auf 18°. Wie der Fotorestaurator Horst Fenchel sagte, ist die Klimatisierung - und dabei zunächst gar nicht so sehr die tiefe, sondern die gleichbleibende Temperatur - der erste wichtige Schritt, die Lebensdauer der Fotos erheblich zu verlängern. Depotfragen sind auch für die Digitalisierung relevant: Digitalisierung heißt auch immer, sich Gedanken zu machen über den Ort, woher man die Objekte holt, ihre Lagerungsbedingungen und ihr langfristige Erhaltung. Denn einer der wichtigen Vorteile der Digitalisierung ist, dass das Objekt bis auf wenige Ausnahmen anschließend im Schrank verbleibt, auch wenn man sich sonst intensiv mit ihm beschäftigt, da hochauflösende Abbildungen bei vielen Objekten fast alle Fragen an das Original beantworten. Die Digitalisierung sollte auch immer ein Anlass sein, die Lagerungsbedingungen im Depot zu überprüfen und auf den neuesten Stand zu bringen. Wir haben im Rahmen des Projektes festgestellt, dass die professionelle Archivierung von Fotos jede Menge Geld kostet, wenn man es "richtig" und nach den gegenwärtigen, durch die Restaurierungswissenschaften ermittelten Standards tun will. Nicht nur die Klimatisierung, die bald, nach dem Umzug des Depots für unsere Photographische Sammlung, realisiert werden soll, sondern auch die richtige Verpackung jedes Fotos erfordern große Geldmengen für Material, ganz zu schweigen vom Personal, das das Material verarbeitet und die Objekte professionell verzeichnet. Wir geben die von uns digitalisierten Fotos nur gut verpackt in das Depot zurück, so dass die Lagerungsbedingungen in der Photographischen Sammlung weiter verbessert werden.

Anschließend haben wir eine Reproanlage von Foto Marburg besichtigt, mit der die Glasplatten digitalisiert werden. Weil wir die eigentliche Digitalisierung auf einem Flachbettscanner vornehmen werden und Foto Marburg eine Phase One 60-Megapixel-Kamera verwendet, sind die Bedingungen nicht ganz vergleichbar. Aber Thomas Scheidt, der Leiter der Fotowerkstatt, hat sich und uns das Vergnügen gemacht, zunächst ein Glasnegativ mit der Kamera zu fotografieren und anschließend mit einem Epson V750 zu scannen. Bei der Gelegenheit konnten wir die Arbeitsschritte beim Scannen und bei der anschließenden Bildbearbeitung live miterleben und einem Experten über die Schulter schauen. Die Qualitätsunterschiede waren erstaunlicherweise gering, so dass wir den Eindruck gewannen, dass unsere Technik – wenn auch nicht finanziell und technisch „high end“ –akzeptable Ergebnisse liefern wird. Unser Ziel ist das „digitale Faksimile“: Technisch sind die digitalen Reproduktionsverfahren derzeit in der Lage, alle Bildinformationen der Vorlage zu kopieren und damit das Original tatsächlich zu 100% wiederzugeben (ohne es zu sein!). Dies war lange Zeit nicht der Fall: Die digitale Auflösung hinkte über viele Jahre der analogen Realität hinterher.

Mit unserem Scanner haben wir eine ältere Version der Scansoftware SilverFast mitgeliefert bekommen. Wir werden sie für rund € 150,- von Version 6 auf 8 „upgraden“, mit unseren mittlerweile erworbenen IT-8-Targets (€ 180,-) eine Kalibrierung des Scanners vornehmen und die Glasplatten farbig, als “Glaspositiv“ scannen. Damit erhalten wir auch die sich oft farbig niederschlagenden Informationen zu Schadensbildern der Glasplatten wie Aussilberungen oder Retuschen. Von diesem farbigen Scan werden wir ein Graustufen-Bild erzeugen, in Photoshop das Negativ zum Positiv umwandeln und eine gewisse Bildbearbeitung zur Optimierung der Darstellung vornehmen. Unser Master wäre aber das Farb-TIFF des Glasnegativs, während das bearbeitete Bild in die Datenbank verknüpft wird und nur die Information liefert, welches Motiv sich auf dem Negativ befindet. Sofern sich in der Sammlung Hans Finsler zeitgenössische (Vintage-Print) oder nachträgliche Abzüge (Estate-Print) von diesem Negativ befinden, können wir in der Datenbank diese Datensätze miteinander verknüpfen und als zusammengehörig kenntlich machen.

Grundbedingung für eine anständige Bildbearbeitung ist ein guter Bildschirm. Wenn man ein Bild in Farben und Tonwerten bearbeitet, muss man sicher sein können, dass das, was man auf dem Bildschirm sieht und bearbeitet auch dem entspricht, was tatsächlich an Farbinformationen in der Datei abgelegt ist. Dies scheint eine selbstverständliche Forderung, doch viele günstige Bildschirme können dies nicht bzw. die Preisspanne bei den Bildschirmen, die es besser können, liegt zwischen € 500,- und 5.000,- (und mehr, wenn man will). Zwar haben wir vor zwei Jahren ein recht gutes Modell erworben (HP LP2475w), aber es erfüllt sicherlich keine Ansprüche eines professionellen Grafik-Büros. Auch haben wir unter den Mitarbeitern des Projektes nicht wirklich jemanden, der solide Bildbearbeitungskenntnisse hat. So beschränken wir uns auf das Scannen des Masters in optimaler Qualität und erstellen als Service für die Datenbank-Benutzer ein kleineres „Ansichtsbild“, also keinen professionell bearbeiteten digitalen Abzug, der z. B. gedruckt werden könnte, sondern nur ein „Motiv-Wiedererkennungsbild“. Wie auch bei unseren Scans von Grafiken und historischen Fotografien beschränken wir uns auf den ersten Arbeitsschritt der Bilderstellung und überlassen die Weiterverarbeitung der Bilddateien für bestimmte Zwecke anderen, die mehr davon verstehen. Das Master stellt so etwas wie eine Sicherungskopie des Objektes zu seinem gegenwärtigen Zustand dar. Fotografische Materialien reagieren über Jahre und Jahrzehnte weiter – wenn auch langsam, aber stetig. Sollten etwa Glasplatten beim Umzug zerbrechen oder andere Schäden erleiden, haben wir mit unserem Master die Bildinformation gesichert.

Foto Marburg hat uns Materialien zum Projekt zur Verfügung gestellt, die aber von uns nicht publiziert werden können (Teile des Antrags, den Workflow und den „Leitfaden zum Erkennen von Schäden und Retuschen an Negativen“). Aber eine Basis für jeden Antrag bei der DFG im Bereich der Digitalisierung sind die „Praxisregeln zur Digitalisierung“ der DFG (siehe http://www.dfg.de/formulare/12_151/12_151_de.pdf), die sich jeder ansehen sollte, der die gegenwärtig üblichen technischen Parameter im Detail kennen lernen will.

Eine kleine Änderungen gegenüber dem Tipp der Deutschen Fotothek haben wir noch: Foto Marburg hat sich für ihre Standardformate eigene Scan-Halterungen gebaut, so dass die Glasplatten nicht mit der Schichtseite auf dem Scannerglas liegen. Dieser Lösung für 150.000 Glasplatten kann man eine andere, selbstgebastelte entgegensetzen: Moosgummi 1-2 mm dick: Diese Idee werden wir ausprobieren.

EDiM - Glasplattendigitalisierung II

Nach einem ersten Blog zur Glasplattendigitalisierung mit einem Flachbettscanner folgt die Fortsetzung: Nach der Beschaffung eines geeigneten Geräts (Epson V750) stand als nächstes die Frage nach dem Wie im Raum:

- Welche konservatorischen Rücksichten habe ich zu nehmen, dass die Glasplatten nicht zerbrechen, zerkratzen, beim Scannen zu warm werden oder durch die Lichtimission Schaden nehmen?

- Mit welchen Schadensbildern an den Glasplatten habe ich zu rechnen und welche Gegen- oder Schutzmaßnahmen muss ich gegebenenfalls ergreifen? Geeignetes Einpackpapier, das das derzeitige holz- und säurehaltige ersetzen soll, hatten wir bereits in der Vergangenheit recherchiert und angekauft.

- Mit welcher Software scanne ich: Sind die Programme alle gleich bzw. gleich gut? Kann ich das mitgelieferte Software-Paket verwenden oder muss ich weitere Software ankaufen? Wie unterstützt die Software den Workflow?

- Muss ich meinen Scanner wie die Kamera und die Bildschirme kalibrieren? Welche Software ist dafür die richtige?

Mit der letzten Frage anfangend haben wir über das Internet ("Glasplattendigitalisierung") und anschließend bei dem entsprechend Verantwortlichen bei der Deutschen Fotothek A. Rous die ersten Rechercheergebnisse erzielt: Glasplattennegative, wie wir sie überwiegend haben, scannt "man" derzeit nicht mit Colormanagement, sondern "nur" hochauflösend in Graustufen. Ein farbiger Scan eines Schwarz-Weiß-Negativs würde zu einer Verdreifachung der Datenmenge führen, aber meist nur weitere Informationen liefern, wenn die Glasplatte durch entsprechende Schadensbilder farblich verändert ist. SilverFast ist die derzeit führende und beste Software zum Scannen in diesem Bereich (dies heißt nicht, dass nicht auch andere Programme gute Ergebnisse liefern können).

Die Glasplatten werden vor dem Scannen auf der Glasseite mit einem weichen, sauberen, leicht feuchten Tuch gereinigt. Auf der Schichtseite sollte höchstens ein antistatischer Pinsel zum Einsatz kommen. Sowohl das Handling als auch die Erfahrung im Umgang erfordern jemanden, der weiß, was er tut. Am besten sollte dies ein Fotorestaurator sein, sonst ein mit Glasplatten erfahrener Fotograf oder eine restauratorisch geschulte Person. Laien können großen Schaden anrichten.

Weil unser Scanner über keine verstellbare Schärfentiefe verfügt, müssen die Platten mit der Schichtseite auf das Scannerglas gelegt werden. Dabei besteht nicht nur die Gefahr, dass die Verunreinigungen der Schichtseite diese zerkratzen, sondern Schmutz auf dem Scannerglas die Schichtseite beschädigt. Doch auch das Scannerglas kann durch die scharfen Kanten des Glases zerkratzt werden. In einem solchen Fall bleibt nur das Ersetzen der Scheibe.

Obwohl der Scanner eine viel höhere dpi-Zahl für die Auflösung anbietet, sollten man nicht mehr als 2.-3.000 dpi auswählen, weil die optische Qualität nicht mehr besser wird.

Soweit die Recherchen und somit die Theorie. Wir werden als Laien das Scannen der Glasplatten an einem nicht so wertvollen Bestand an Glasplatten ausprobieren und üben. Ziel ist das digitale Faksimilieren der rund 800 Glasplattennegative, die im Rahmen des Projektes aus dem Hans-Finsler-Nachlass zu bearbeiten sind. Für Morgen ist der Besuch bei Foto Marburg geplant, wo derzeit ein DFG-Projekt zur Glasplattendigitalisierung läuft ("Fotografische Negative. Infrastruktur zur Erschließung und Digitalisierung historischer Fotografien in kunsthistorischen Bildarchiven"). Da sie allerdings die Reproduktion der Glasplatten mit einer hochauflösenden Kamera realisieren, sind die Grundbedingungen nicht gänzlich vergleichbar. Freundlicherweise gewährt uns Foto Marburg einen Einblick in ihre Werkstatt und schenken uns ihre Zeit. Ich werde auch diese Erfahrungen anschließend mit ihnen teilen.

Mehr:

http://www.scandig.eu/Grundlagen.html

http://www.filmscanner.info/KnowHow.html

Seume und mehr: Planer-Sammlung (Lützen) online verfügbar

Die Digitalisierung und Online-Stellung der mehr als 1.100 Objekte umfassenden "Sammlung Oskar Planer" des Museums im Schloss Lützen ist vorerst abgeschlossen. Die jetzt über museum-digital:sachsen-anhalt zugängliche Sammlung umfaßt viel Schriftmaterial zum 30jährigen Krieg (das mehr im Sinne einer Katalogisierung erfasst wurde), vor allem aber sind in ihr auch Manuskripte von Johann Gottfried Seume (1763-1810) enthalten. Diese Handschriften, darunter ein eigenhändig verfasster Lebenslauf und viel Korrespondenz Seumes mit Göschen in Leipzig (und mit anderen Zeitgenossen) wurden vollständig digitalisiert und stehen jetzt für Recherchen zur Verfügung. Darüberhinaus sind mit der Digitalisierung der Sammlung jetzt viele weitere Briefe und Schriftstücke von Literaten und Majestäten verfügbar - das älteste von 1577. Schauen sie selbst ... (hier).

Digitaler Katalog des Frankfurter Goethe-Hauses mit museum-digital veröffentlicht

Das Frankfurter Goethe-Haus • Freies Deutsches Hochstift hat seinen Digitalen Katalog unter museum-digital:goethehaus veröffentlicht. Im einleitenden Text heißt es: "Unsere Datenbank enthält derzeit fast 4.000 Graphiken, Zeichnungen und Aquarelle aus dem Sammlungsbereich Goethe-Illustration. Der Sammlungsbestand an Illustrationen wurde vollständig digital erfasst. Unter den online zugänglichen Objekten sind so bedeutende Arbeiten wie die Serie von 143 Federzeichnungen von Max Beckmann zu Faust II oder das erstmals veröffentlichte Konvolut von Entwurfszeichnungen von Max Slevogt ebenfalls zu Faust II. Das erklärte Ziel des Goethe-Hauses ist die digitale Verfügbarmachung sämtlicher Sammlungsbestände." Leider können aus rechtlichen Gründen einige Objekte nicht mit einer Abbildung im Internet präsentiert werden.

Nach der Online-Stellung erfolgen jetzt die Einbindung des Kataloges in die Webseite des Frankfurter Goethe-Hauses sowie die Publikation der Informationen in der Deutschen Digitalen Bibliothek und der europeana. Die Objekte sind auch in der deutschlandweiten Version von museum-digital verfügbar.

EDiM - Der aristokratische Blick



Hier ist ein Blick in die Nordbox zu sehen, umfunktioniert zum Fotoatelier: Vor der Linse steht Karl Müllers Relief "Aristokraten" von 1930: Anlässlich dieses Fotos war es nötig, das mittlerweile oxidierte Silber der Augen wieder sichtbar zu machen. Dies gelang in echtem Teamwork: durch die Spende von Zigarettenasche des Direktors der Moritzburg und des Verwaltungsleiters von Dome und Schlösser, gut gemischt mit dem Speichel der zuständigen Wissenschaftlerin.

Wie man gut erkennen kann, strahlen seitdem diese Augen wieder, auch auf die Entfernung: Etwas kalt und unnahbar.